Prüfungen im Bujinkan – unnötig oder überfällig?

Letztens kam bei uns im Dojo die Frage auf, ob es wohl sinnvoll wäre Prüfungen einzuführen. Die meisten Kampfsportarten kennen dedizierte Prüfungstage. Aber Bujinkan ist nunmal kein Sport. Dementsprechend gibt es auch kein offiziell festgelegtes Kurrikulum, wer was zu welcher Zeit können muss oder ähnliches.

Die Idee – besser gesagt Diskussionsgrundlage – war nun Prüfungen der unten Kyu-Ränge einzuführen. Nach einer Diskussion mit einem guten Freund (hallo Christopher *wink*) sind aus meiner Sicht folgende Kriterien zu bedenken:

Pro Prüfung:

  1. Der Prüfling weiß genau, wann und in was er geprüft wird.
  2. Er kann sich somit auf genau diesen Tag vorbereiten (ein bisschen entsprechend der Idee von periodisiertem Training).
  3. Er ist motiviert, weil er weiß, dass er an diesem Tag seine Leistung zeigen muss.
  4. Er ist motiviert, weil er nicht vor den anderen, die geprüft werden, prüfen oder zuschauen schlecht dastehen möchte.
  5. Es wird eine Basis geschaffen, auf die aufgebaut werden kann. Man kann gemeinsame Grundlagen erarbeiten und sichergehen, dass ein Schüler mit der Graduierung X Technik Y kann.

Contra Prüfung:

  1. Der Prüfling weiß genau, wann und in was er geprüft wird. Es ist natürlich gut, wenn man sich auf etwas einstellen kann. Aber ist das in unserem Falle gewollt? Wenn ich möchte dass jemand bestimmte Techniken kann muss ich sie ihm wohl beibringen, egal ob er dann „in Prüfungsvorbereitung“ ist, oder im regulären Training.
  2. Er kann sich genau auf diesen Tag vorbereiten (ok, wenn er/sie im Training davor und danach nur Quatsch macht, dann wird er halt auch nicht geprüft…), und vernachlässigt somit einerseits vielleicht „nicht-prüfungsrelevante Inhalte“ im Training und weiß was ihn erwartet. Letzteres entspricht ja nicht unbedingt der Bujinkan-Philosophie.
  3. Er muss genau an einem Tag seine Leistung zeigen, statt dies konstant zu tun, weil er bei einer Methode ohne Prüfung nicht sicher sein kann, ob er nicht genau heute „geprüft wird“. Zudem gibt es in „der echten Welt“ kein (kämpferisches) Ereignis, welches man genau terminieren kann.
  4. Eine Prüfung vor anderen abzulegen kann auch sehr stressig sein. Dies ist natürlich stark von der Persönlichkeit abhängig. Ich persönlich sehe es gerne als Herausforderung gelassen zu bleiben und meine Komfort-Zone zu erweitern. Ich kenne aber auch Menschen die Prüfungen in Sportarten wie Judo gezielt vermeiden, weil diese Situationen sie zu sehr stressen. Auch dies kann natürlich wiederum als Pro gesehen werden. Allerdings sollte man nach meinem Bujinkan-Verständnis Menschen zwar fordern, nicht jedoch überfordern.
  5. Eine Grundlage schaffen kann man auch ohne Prüfung. Und wenn es einem wichtig ist, gewisse Sachen sicher vermittelt zu wissen kann man ja auch Graduierungen geknüpft an diese Voraussetzung vergeben. Zudem ist mir persönlich ein gutes Verständnis von Prinzipien (Foot-Spine-Hand anyone?) wichtiger, als eine auswendig gelernte Ausführung der Kihon-Happo. Christopher hat das sehr schön zusammengefasst mit: „Dann hast du Anfänger, die eine Choreographie tanzen können, aber die Musik nicht hören„.

 

Meine Schlussfolgerung:
Finde ich nun Prüfungen gut oder schlecht? Nun, es liest sich wohl relativ negativ, aber deswegen bin ich nicht unbedingt dagegen. Ich denke gerade in den Anfänger-Bereichen kann es sehr motivierend wirken, wenn man ein Ziel anvisieren kann, welches erreichbar scheint (äh, wie war der psychologische Begriff dafür? Muss ich nochmal nachschauen). Jemandem zu sagen: „Irgendwann bekommst du dann einen Schwarzgurt, und dazwischen wenn wir dran denken auch mal Graduierungen“ ist halt zunächst weniger motivierend, als beispielsweise die klare Chance jedes halbe/ganze/… Jahr zu festen Terminen geprüft werden zu können.

Ich sage hier explizit „Anfänger-Bereich“. Ich denke nämlich einerseits, dass Menschen die sich ernsthaft für’s Bujinkan interessieren schnell egal ist, welche Graduierung sie haben (aber das wäre Stoff für einen anderen Post), und andererseits empfinde ich mich auch noch als Anfänger. Und ich bin schließlich auch dabeigeblieben, obwohl (oder weil…?) ich keine fixen Prüfungstermine hatte. Ich kann mich aber sehr wohl daran erinnern, dass ich – getriggert durchs Judo vermutlich – zu Beginn meines Trainings viele Fragen dazu hatte, wie das denn läuft mit den Graduierungen im Bujinkan 😉

Und als Goodie, falls du es noch nicht kennst hier mal ein Video von der einzigen Prüfung, die es im Bujinkan dann doch gibt, dem Godan-Test (oder Sakki-Test, je nachdem auf was man den sprachlichen Fokus legen will ;)):

 

Was denkst du zu diesem Thema? Ich freue mich auf Kommentare. Auch wenn sie dahingehend sein sollten, dass man die Trainer in Spaghetti-Eis bezahlt 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.